1947
Die inzwischen etablierte Sportart Fußball erlebte einen Aufschwung, so dass es im März schon erste Schwierigkeiten bei der Abstimmung der Übungszeiten mit den Turnern gab. So hieß es zum Beispiel im Juli, ?obwohl der Fußball lebt und die Beteiligung in diesem Fach sehr rege ist, kommt das Geräteturnen dagegen sehr in den Nachteil." Deshalb sprach der 1. Vorsitzende Willi Pulz, ?dass, wenn der Abend für Geräteturnen angesetzt sei, kein Ball auf dem Sportplatz sein möge; denn wie so oft, waren die Geräte bald darauf leer und verlassen."
Trotz dieses Booms war die Situation der Fußballer auch nicht besonders rosig, wurde doch von ihnen verlangt, die Sporthosen des Vereines nicht alltäglich zu tragen. Begründet wurde dies mit der schlechten Beschaffung von Sportbekleidung. Auch an Fußballstiefel war schlecht heranzukommen, denn dem Landsportkreis wurden nur 35 Paar zur Verfügung gestellt. Von der Kreistagung im April berichtete man, dass es einen ordentlichen Aufschwung gegeben habe. Hatte der Kreis 1945noch 4.936 Mitglieder, so war diese Zahl 1946 auf 15.600 angewachsen. Außerdem forderte man bei der Tagung, den allgemeinen Sport zu fördern, "...so dass ein Fußballer auch ein Turner und Leichtathlet sei,aber auch umgekehrt". Für den gesamten Kreis wurden zu besagter Veranstaltung auch 300Hosen und 80 Paar Stiefel verteilt.
Eine Haftpflichtversicherung für die Spieler (wohl Fußball) wurde einstimmig beschlossen, was mit einem Kostenaufwand von 41/2 Pfennig pro Mann und Jahr verbunden war. Und auch das allererste Fußballspiel stand ins Haus. Es sollte im April in Goltern stattfinden, ein Sportfreund erklärte sich bereit, die Spielerdorthin zu fahren (man bedenke, dass es in jener Zeit noch nicht sehr viele Fahrzeuge gab), wofür dann auch jeder Spieler eine Mark zu zahlen hatte. Die Spiele muss man sich so vorstellen, dass nicht unbedingt alle Spieler über Trikots oder gar Fußballschuhe verfügten,die Tore des eigenen Platzes waren provisorisch mit Flak-Tarnnetzen versehen. Die ersten Spielerpässe, die sich teilweise noch im Besitz des Vereins befinden,wurden im September 1947 ausgestellt und von den Spielern unterzeichnet. Als Vereinsstempel ist auf ihnen der Name"TSG Wettbergen" zu lesen.
Im Spätsommer wählte man erstmalig einen Pressewart, um der Öffentlichkeit den Verein möglichst positiv nahe zu bringen.Gegen Ende des Jahres wurde noch über die Beschaffung von Asche und Sand für den Sportplatz gesprochen, ein Benefiz-Fußballspiel zugunsten der Sportheilstätte Gellersen angesetzt, und man konnte gegen Lieferung von Altpapier vom "Niedersachsensport" eine Sportzeitung beziehen. Einer der letzten Gesprächspunkte war die Ermahnung, doch regelmäßiger zum Saaltraining zu erscheinen, und man legte für den Fall des Fernbleibens eine Strafe in Höhe von einer Mark fest.
Als neue Sportarten waren Feldhandball für Damen und Tischtennis im Gasthaus Stecker eingeführt worden(man erinnere sich an die von Otto Kast gestiftete Tischtennisplatte). Vereinseigene Platten wurden schließlich erst 1953 angeschafft.
1948
Der Verein verfügte zum Jahreswechsel über 116 Mitglieder einschließlich Knaben und Mädchen, hatte vom Kreis noch einen Zuschuss in Höhe von 400 Reichsmark erhalten, während kurz darauf die Währungsreform das neue Zahlungsmittel D-Mark in Umlauf brachte. Auf Versammlungsbeschluss sollte der Kassenwart als Anerkennung für seine gute Arbeit l % der Einnahmen und Ausgaben erhalten.
Es wurden Pflichtarbeitsstunden eingeführt zur Instandsetzung des Sportplatzes, um im Herbst am 20. Oktober die Einweihung und das 40jährige Bestehen feiern zu können, wobei man sich da vermutlich in der Jahreszahl geirrt hatte. Die Monatsbeiträge wurden nach der Währungsreform auf 0,50 DM für Erwachsene und 0,30 DM für Jugendliche festgesetzt. Langsam entfaltete sich der Verein: die Breite des Sportangebots nahm zu, die ursprüngliche Gründungsidee hingegen, nämlich das gemeinsame Turnen,nahm ab. Einzige Ausnahme war das Kinderturnen, das seit dem Krieg auch für Jugendliche unter 14 Jahren möglich war. Eine Betrachtung der heutigen TuS verdeutlicht, dass seit jenen Jahren das Turnen zwar als Hauptsportart ausgedient hat, aber den Kindern immer noch den Einstieg in den Verein und die "Grundausbildung" für alle anderen Sportarten ermöglicht.
1949
Nach der Neuwahl von Heinrich Kebel zum l. Vorsitzenden fand zu Beginn des Jahres eine recht drastische Beitragserhöhung statt: Männer hatten jetzt 1,00 DM zu zahlen, Frauen und Jugendliche 50 Pfennig. Man plante den Entwurf eines Vereinszeichens, das bald auf der Brust der Mannschaften zusehen sein sollte. Ab Februar war eine Vereinsnadel für den Preis von 1,50 DM zu haben.
Es gab einen Plan mit Kostenvoranschlag von einem Architekten für einen neuen Sportplatz. Die Kosten sollten 20.000,- DM betragen, eine Erdverschiebung von28 Zentimetern war erforderlich, und es gab 1.000Bausteine, allerdings in Form von Gutscheinen zum Stückpreis von l,- DM. Bis zum 1. April waren von den männlichen Mitgliedern für diese Baumaßnahmen10 Pflichtarbeitsstunden zu absolvieren,für jede fehlende Stunde sollte eine Mark in die Vereinskasse gezahlt werden. Grassamen besorgte ein Vereinsmitglied von der Genossenschaft zu Großhandelspreisen, und im Verlauf des Jahres mussten alle Mitglieder mehrm als zur verstärkten Mithilfe an den Bauarbeiten aufgefordert werden.
Wettberger "Leichtathleten"wurden für ein Bergsportfest in Benthe gemeldet, nämlich eine Herren-und eine Jugendmannschaft bestehend aus je zehn Läufern.
Das zum Jahresanfang angekündigte Vereinsabzeichen gab es schließlich für 1,70 DM zu kaufen, und man plante die Einweihung des neuen Platzes mit Festzelt für das Jahr 1950. Eine ungewöhnliche Begebenheit war, dass über die Aufnahme eines Mitgliedes in geheimer Abstimmung beschlossen werden musste, wobei die Anwesenden mit 12 Ja- gegen 8 Nein- Stimmen sich recht knapp für die Aufnahme entschieden.
Gegen Ende des Jahres gab es dann noch das Angebot des Deutschen Roten Kreuzes, bei Vereins-Veranstaltungen auf Anforderung Hilfeleistung zu stellen. Die TuS Wettbergen selbst hatte sich über das Jahr hilfsbereit gezeigt, unter anderem bei Sammlungen für Tuberkulosekranke sowie bei der Aktion "Helft der Jugend".